Günstig wohnen in Bad Nauheim: Das geht!

Bad Nauheim ist ein beliebter Wohnort. Auch Geschäftsleute lieben unsere Stadt: Das Gewerbe floriert, Arbeitsplätze entstehen. Dadurch werden immer mehr Wohnungen benötigt: Die Nachfrage steigt. Das Ergebnis sind deutlich höhere Preise für Mieten und Bauland. Dies ist ein Problem, das wir angehen müssen. Gerade, wenn wir die Bad Nauheimer, die wenig Geld zur Verfügung haben, auf unserem Erfolgsweg nicht zurück lassen wollen.

Jeder zweite Bad Nauheimer hat Schwierigkeiten, die Miete zu bezahlen

Fast die Hälfte der Bad Nauheimer Haushalte muss mit weniger als 2.100 Euro netto pro Monat auskommen (45,4%).1 Die Kalt-Mieten liegen im Schnitt bei 9 Euro pro Quadratmeter. Eine Kleinfamilie bezahlt bei diesem Preis 675 Euro für eine entsprechend große Wohnung (75 Quadratmeter). Dabei sind die Nebenkosten und weitere Fixkosten der Lebenshaltung noch nicht bezahlt. Der Durchschnitt bedeutet allerdings, dass es Abweichungen nach oben oder unten gibt. Die in der Kernstadt so beliebten sanierten Altbauten bzw. Neubau-Erstbezug sind nicht unter 10 Euro kalt pro Quadratmeter zu finden. Gerne wird auch mehr verlangt. Generell gilt, dass das geringe Angebot die Mietpreise in der Kernstadt deutlich treibt. Günstigere Wohnungen sind meist in den Stadtteilen zu finden. Hier braucht man jedoch ein Auto für die täglichen Besorgungen. Das zehrt den Kostenvorteil wieder auf. In unserer Kurstadt zu wohnen, ist für fast die Hälfte der Bad Nauheimer Haushalte finanziell eine große Herausforderung. Hier geht es längst nicht mehr nur um Einkommen auf Grundsicherungsniveau. Gibt es nur eine erwerbstätige Person im Haushalt, so hat man mit einem durchschnittlichen Gehalt von 1.500 bis 1.700 Euro netto ein echtes Problem, in Bad Nauheim eine passende Wohnung zu finden. Besonders schwer trifft es diejenigen, die für einen Mindestlohn arbeiten. Diese Haushalte haben im Schnitt nur 1.200 Euro pro Monat zur Verfügung. Daher muss uns klar sein:

Die Bad Nauheimer Einkommenssituation passt mit den Mietpreisen nicht zusammen.

Es wird zunehmend schwerer, fast unmöglich, als Single, Alleinerziehender oder Rentner, ja, teilweise auch als junge Familie eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das bedeutet, dass viele der in Bad Nauheim arbeitenden Menschen sich hier keine Wohnung leisten können. In unserer Kurstadt sorgen viele fleissige Hände für unsere Lebensqualität: Eine große Zahl, nicht üppig bezahlter Berufe sind bei uns beherbergt, z.B. Krankenpflegepersonal, Verkäufer, Handwerker, Beschäftigte im öffentlichen Dienst und viele andere mehr.

Mehr bezahlbares Wohnen schaffen

Wie kann man die Situation verbessern? Wenn Bauland verkauft wird, kann Bad Nauheim die Grundstückspreise gut steuern. Sind die Grundstücke einmal in Privatbesitz, ist das nicht mehr möglich. Bei Mieten wird es noch schwieriger. Hier gibt es großen Handlungsbedarf.

Wir müssen das Angebot an bezahlbarem Wohnraum erhöhen. Der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft (WoBau) kommt hierbei eine zentrale Bedeutung zu. Mit ihren ca. 1.200 Wohnungen ist sie der größte Wohnungsanbieter unserer Kurstadt. Nachdem man sich in den letzten Jahren auf die Renovierung bestehender Wohnungen und Bauträgertätigkeiten konzentriert hat, ist es nun an der Zeit, wieder neuen Wohnraum zu schaffen. Unserer kommunalen Wohnbaugesellschaft kommt die Aufgabe zu, Wohnungen vorrangig unter sozialen Gesichtspunkten zu vermieten. Sie dient der Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung in und um Bad Nauheim. Dies ist auch der Homepage der Stadt Bad Nauheim zu entnehmen.

Neue Wohnungen – aber wie?

Aktuell entsteht ein Bauprojekt der WoBau zur Vermietung auf dem alten Vergölst Gelände. Hier werden 55 Wohnungen gebaut. Über die Höhe der Mietpreise ist noch nichts bekannt. Günstig werden sie vermutlich nicht. Denn alle Wohnungen werden barrierefrei gebaut und mit Tiefgaragen ausgestattet. Besonders Tiefgaragen sind bei Neubauten ein teures Unterfangen, das über die Mieten finanziert werden muss.

Mehr Etagen ermöglichen niedrigere Mieten

Interessante Flächen befinden sich auf dem neu ausgewiesenen Baugebiet “südliche Stadterweiterung”. Auf Drängen der SPD wurde hier die maximal zulässige Bauhöhe auf vier Etagen angehoben. Durch die zusätzlichen Etagen entstehen mehr Wohnungen auf den Grundstücken, wodurch die Baukosten auf mehr Mieter umgelegt werden können: Das ergibt mehr Spielraum für niedrigere Mieten!

Auch in der Dieselstraße bietet sich ab Mitte des Jahres eine spannende Möglichkeit für bezahlbares Wohnen: Hier wird das ehemalige Inconso Gebäude frei werden. Bad Nauheim sollte einen Umbau dieser Gewerbeflächen in Wohnraum angehen. Überhaupt ist das Gebiet Dieselstraße für weitere Expansionen von Wohnraum vorgesehen, wenn, wie erwartet, die größeren Gewerbeflächen nach und nach nicht mehr als solche genutzt werden.

Damit wir die Mietpreise spürbar verringern können, ist es notwendig, deutlich mehr Wohnraum zu schaffen. Ziel muss es sein, Wohnungen für ca. 7 Euro pro Quadratmeter kalt anbieten zu können.

Im Bezug auf die Finanzierung solcher Bauvorhaben gibt es viele Möglichkeiten, die ich mit Eckhard Hassebrock, einem Mitglied der Geschäftsleitung landeseigenen Wirtschafts- und Insfrastrukturbank  ausführlich besprochen habe. Unsere Ergebnisse werde ich in kürze in meinem Blog besprechen.

Wo soll das Geld herkommen?

Die Bauvorhaben können durch Bundes- oder Landesfördermittel finanziert werden. Die geringen Eigenbeiträge, die in manchen Programmen gefordert sind, können z.B. als Bürgschaften zur Verfügung gestellt werden. Die städtische Kasse wird dabei für andere Vorhaben geschont. Auch für den laufenden Betrieb wird Bad Nauheim nicht draufzahlen müssen. Das wird vor allem durch die geringen Kapitalkosten erreicht, bzw. eine entsprechende Preisgestaltung im Ankauf der Flächen, gegebenenfalls durch Erbpacht. Privaten Investoren sind diese Programme ebenfalls zugänglich. Das bedeutet, dass zum Beispiel Bauherrngemeinschaften oder Genossenschaften diese Förderungen in Anspruch nehmen können – zu genau denselben hervorragenden Finanzierungskonditionen wie es eine kommunale Wohnbaugesellschaft kann. Erstes Interesse wurde mir gegenüber bereits bekundet.

Die Sozialbindung als Teil des Lösungswegs

Wird ein Anteil der Wohnungen für geringe oder mittlere Einkommen im Sinne des Sozialgesetzbuches reserviert, nimmt das Druck aus unserem Wohnungsmarkt und kann auch soziale Spannungen verhindern:

  1. Mieter, die in geförderte Wohnungen einziehen, reduzieren die Nachfrage auf dem freien Wohnungsmarkt.
  2. Die Chancen für Bewerber auf nicht geförderte Wohnungen steigen.
  3. Verteilt man die geförderten Wohnungen über das Stadtgebiet hinweg, wird die Bildung von “Vierteln” aus gleichartigen Gesellschaftsschichten verhindert.

Zum Dritten Punkt werde ich in den kommenden Tagen ebenfalls auf meinem Blog eingehen. Hier wird auch der Begriff “Mittelbare Belegung” auftauchen.

Das Wohngebiet “Sichler” als Vorbild nehmen

Ein Beispiel für vorbildlich durchmischtes Wohnen ist für mich das Wohngebiet “Sichler”. Hier wohne ich seit etwas mehr als einem Jahr. Es sind alle Gesellschaftsschichten zu finden. Der Baustil ist zum Teil sehr verdichtet, aber ansprechend. Es gibt viel Grün in der Mitte und keine Probleme der Bewohner untereinander. Abends kann man alleine angstfrei Gassi gehen.

Das Thema bezahlbares Wohnen ist mir ein persönliches Anliegen.

Als Finanzierungsberater kenne ich die finanzielle Situation meiner Kunden sehr gut. Die am Anfang genannte Statistik von Bertelsmann kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Wenn ich nicht gerade Wahlkampf mache, finanziere ich private Neubauvorhaben. Meist handelt es sich um Fertighäuser im Rhein-Main-Gebiet. Hierdurch habe ich einen guten Einblick in die finanziellen Möglichkeiten vieler Menschen. Zudem haben wir mit der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft einen starken Partner im Einflussbereich des Stadtparlaments, der solche Projekte stemmen kann. Deshalb:

Der Bedarf ist da, die Mittel können beantragt werden – lasst uns beginnen!


  1. Quelle: Bertelsmann (2014)