Warum wir eine an den Sprudelhof angebundene Therme brauchen

Bad Nauheim braucht Lösungen für überfällige Probleme. Eines davon ist die Therme am Park. Daher sage ich ganz klar: Wir brauchen eine zukunftsfähige Therme mit einzigartigem Konzept, um unser Image als Kurtsadt auszubauen und noch attraktiver für Touristen zu werden. Diese Therme muss an den Sprudelhof angeschlossen werden. Mit mir als Bürgermeister finden wir diese Lösung und sorgen dafür, dass auch die städtische Bühne erhalten bleibt und einen neuen, attraktiven Spielort bekommt. Eine weitere Übergangslösung kommt für diese wichtige Kultureinrichtung nicht in Frage. Warum das so ist und warum die Rechnung aufgeht erfahren Sie hier:

Seit über zehn Jahren wird um eine Lösung für die Therme am Park gerungen. Verschiedenste Alternativen wurden angesprochen, verworfen, durchgeplant und abgelehnt. Wie die Wetterauer Zeitung berichtete, sprach sich letzten Donnerstag im Bau- und des Finanzausschuss eine Mehrheit für einen Neubau aus, bei dem Therme und Sprudelhof verbunden werden. Dem stimmten auch ich und die SPD-Ausschussmitglieder zu.

Es liegt in der komplexen Natur des Projektes, dass verschiedene Interessen und Einstellungen aufeinander treffen. Lange ließ sich keine tragfähige Mehrheit finden, um eine konkrete Lösung zu gestalten. Gerade bei der Größe des Projekts entstehen leicht Unsicherheiten und die Entscheidung beinhaltet immer eine subjektive Einschätzung der Zukunftschancen.

Der Antrag

Der vorgelegte Änderungsantrag der UWG/CDU Koalition sieht vor, zunächst eine autarke Therme in unmittelbarer Nähe des Sprudelhofes zu errichten. Am Ende wird eine nachfolgende bauliche Anbindung an das Badehaus 2 ermöglicht. Der Neubau soll alle Einrichtungen beherbergen, die zum grundsätzlichen Betrieb einer Therme notwendig sind: Wasserflächen, Sauna, Umkleideräume, Gastronomie und Technik. Die Neubaukosten orientieren sich an dem anvisierten Budget von 18 Mio. Euro. Im Badehaus 2 sollen Therapie, Wellness und der Großteil der Ruheflächen für die Sauna untergebracht werden. Hier müssen die baulichen Möglichkeiten mit dem Denkmalschutz im Rahmen der Ausschreibung erarbeitet werden. Eine grundsätzliche Zustimmung liegt vom Denkmalschutz vor, sofern sich die Nutzung an den baulichen Gegebenheiten orientiert und nicht umgekehrt. Im Grunde handelt es sich im vorliegenden Änderungsantrag um einen Thermenneubau mit Anbindung an das Badehaus 2, der in zwei Schritten erstellt wird. Nicht wie der Vorschlag vom Magistrat, der keine Anbindung an das Badehaus vorsieht.

Anstelle einer eigenständigen Therme fordere auch ich, gemeinsam mit der SPD, eine Anbindung der Therme an das Badehaus. Im Kreis der Lenkungsgruppe wurde vorgestellt, dass die Thermenlösung mit Anbindung deutlich mehr räumliches Potenzial bietet, somit können Ruheräume und Wellness deutlich ansprechender gestaltet werden. Für mich und meine Parteikollegen steht fest, dass das Alleinstellungsmerkmal Jugendstilambiente seit über 100 Jahren wirkt und seine Anziehungskraft auch in der Zukunft nicht verlieren wird. Deshalb erscheint es für mir deutlich schwieriger, einen alleinstehenden Neubau anziehend zu gestalten: Wir haben das beste Beispiel hierfür letztes Jahr geschlossen. Die alte Therme ist nicht nur technisch in die Jahre gekommen, auch das Konzept war alles andere als attraktiv. Auch eine reine Sanierung der Technik, wie seinerzeit vorgeschlagen, ist für mich keine Option. Das ändert am Konzept für den Besucher nichts und würde auf absehbare Zeit das operative Defizit manifestieren.

Die Entscheidungsfindung

Ich nehme seit der entscheidenden Phase der Projektarbeit nach der Kommunalwahl an der Lenkungsgruppe zur Therme teil. Zu diesem Zeitpunkt wurden bauliche Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit ausführlich untersucht und hinterfragt. Es konnte zu keinem Zeitpunkt wirklich schlüssig dargelegt werden, dass die Anbindungslösung wirtschaftlich schlechter ist, als der singuläre Neubau. In der vom Magistrat favorisierten Lösung ohne Anbindung zum Preis von 23,6 Mio. Euro wird augenscheinlich ein um 232 Tausend Euro besseres operatives Ergebnis erreicht. Dieser Vorsprung schmilzt deutlich, wenn man die zugrunde gelegten Annahmen hinterfragt.

Auch bei der Besucherprognose herrscht Unschlüssigkeit. Nachdem ein anderes Unternehmen Schätzungen vorgenommen hatte, änderte sich die Zahl schlagartig. Auf Nachfrage hin konnte nicht schlüssig dargelegt werden, warum die Besucherzahlen im Bezug auf frühere Untersuchungen um ca. 30.000 Besucher nach unten korrigiert wurden. Auch ist nicht klar, warum eine Variante mit Sprudelhofanbindung nur 6.000 Gäste mehr per annum anzieht.

Weitere Unschlüssigkeiten folgten: Der Magistrat führt als Gegenargument für den Anbau an das Badehaus auch den Aufpreis auf die Eintrittstickets an. Der Aufpreis wurde mit einem Euro bis 1,50 Euro pro Ticket beziffert. Auf Nachfrage hin konnte die gewählte Höhe nicht erklärt werden. Im Kontrast dazu: Die Aufpreise für Jugendstilbäder belaufen sich nach Auskunft der Planer in der Lenkungsgruppe auf 3,50 Euro. Die Stadt begründet die Änderung hauptsächlich damit, dass der Aufpreis aufgrund des reduzierten Angebots im Badehaus nach unten korrigiert wurde. Dagegen lässt sich argumentieren, dass bereits bei einem Aufpreis von 1,80 bis 2,10 Euro eine wirtschaftliche Ebenbürtigkeit beider Konzepte entstehen würde – unter sonst gleichen Bedingungen und insbesondere ohne Anpassung der Besucherzahlen nach oben. Für mich ist das ein fataler Fehler in der Beschlussvorlage des Magistrats.

Die gute Nachricht ist zumindest folgende. Mit einer Neubaulösung wird im Bereich des Bäderbetriebes kein Verlust, sondern ein Überschuss von 268 bis 500 Tausend Euro pro Jahr, je nach untersuchter Alternative, erwartet. Zieht man hierfür die geplanten Finanzierungskosten in Höhe von 1 Mio. Euro im Jahr ab, so ergibt sich ein Zuschussbedarf von 550 bis 800 Tausend Euro für die Zeit der Finanzierung. Aktuell geht man aufgrund des günstigen Marktzinssatzes von einer Vollfinanzierung mit einer Laufzeit von circa 25 Jahren aus. Eine Vollfinanzierung erscheint deshalb sinnvoll, weil es noch andere investive Projekte der Stadt gibt, die finanziert werden müssen. Beispielsweise das Eisstadion, die städtische Spielstätte oder neue Infrastruktur in den auszuweisenden Baugebieten, Kindergärten, etc. Hierfür würden dann Mittel aus der Veräußerung der Bauplätze am Hempler und Bad Nauheim Süd zur Verfügung stehen. Dort werden zweistellige Millionenbeträge erwartet.

Eines wird aus der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit ebenfalls klar. Die Baukosten sind von weniger entscheidender Bedeutung als die Betriebskosten. Das gilt auch vor dem Hintergrund hoher Anfangsinvestitionen. Bäderbetriebe haben naturgemäß einen sehr hohen Fixkostenanteil. Die Betriebskosten der Therme werden auf etwa 2,9 bis 3,3 Mio. Euro pro Jahr, je nach betrachteter Alternative, geschätzt. Die Betriebskosten sind also dreimal so hoch wie die Finanzierungskosten bei Vollfinanzierung. Das fällt bei der Bewertung der absoluten Investitionssumme auf. Es ist also von entscheidender Bedeutung, mit einem attraktiven Konzept nachhaltig Gäste anzuziehen, da man die Betriebsgröße nicht einfach an wechselnde Besucherzahlen anpassen kann. Für mich wird das durch eine zeitlos attraktive Anbindung an den Sprudelhof besser gelingen, als in Form eines singulären Neubaus.

Städtische Bühne

Wirklich schwierig wird die Entscheidung pro Anbindung erst durch die Tatsache, dass im Foyer des Badehauses 2 seit mittlerweile 10 Jahren die städtische Spielstätte betrieben wird. Der Nutzer mit der größten Außenwirkung ist hier das TAF. Niemand kann sich guten Gewissens vorstellen, dass die städtische Spielstätte ersatzlos zugunsten der Therme gestrichen wird. Auch hier wurde jahrelang versäumt, die Übergangslösung Badehaus 2, denn als solche wurde sie installiert, in eine dauerhafte Lösung zu überführen. Im Ergebnis droht nun aus brandschutztechnischen Gründen die Reduzierung der Besucherkapazität von 80 auf 60 Personen, die selbst nach erfolgter Renovierung durch die Stiftung Sprudelhof bestehen wird. Es ist dringend notwendig, hier Alternativen anzugehen. Das fand bislang nicht zielorientiert statt und ist dringend nachzuholen. Vorliegende Ideen und neue Vorschläge müssen mit allen Beteiligten konkretisiert werden.

Der Lösungsweg

Es ist jetzt notwendig zu einer Lösung zu kommen, die gleichermaßen eine schnelle Eröffnung verspricht, die Anbindung an das Badehaus 2 ermöglicht, sich bezüglich der Herstellungskosten am ursprünglichen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung orientiert und vor allem genug Potenzial für die Zukunft beinhaltet. In langem Ringen haben sich die Koalitionsparteien von ihren einstmals sehr fest gefahrenen Linien entfernt und aufeinander zu bewegt. Ich appeliere an die Beteiligten: „Jetzt ist die Zeit gekommen, einen breit getragenen Entschluss zu fassen, der eine zukunftsorientierte Lösung für Bad Nauheim bei schneller Umsetzung verspricht. Das sind wir den Bürgern nach einer viel zu langen Historie der Pleiten, Pech und Pannen rund um das Thema Therme schuldig. Daher halte ich den aktuellen Änderungsvorschlag für die beste Lösung. Klar ist jedoch, dass umgehend eine dauerhafte und angemessene Alternative für die städtische Spielstätte gefunden werden muss.”