Das Eisstadion lässt niemanden kalt

Wenn es um das Eisstadion geht, wird es für Bad Nauheimer emotional. Man ist dafür, man ist dagegen, aber niemanden lässt es kalt.

Meine Meinung ist: Wir diskutieren nicht transparent genug.

Wie so oft in solchen Diskussionen ist leider zu beobachten, dass ein komplexes Thema auf einfache Aussagen reduziert wird. Die Zukunft des Eissports in Bad Nauheim hängt von vielen Faktoren ab. Ich kann mir vorstellen, dass die mangelnde Transparenz einen großen Anteil an der wiederkehrenden Polarisierung hat – rund um die Themen Betrieb, Kosten, Einnahmen und Erhaltungsaufwand des Eisstadions fehlen Informationen.

Das Eisstadion gehört der Stadt Bad Nauheim und wird vom Fachbereich 3 “Immobilienverwaltung” betreut. Genau hier liegt ein großes Problem: Anders als das Thermalbad im Fachbereich 6 “Kur- und Servicebetreib” ist das Eisstadion nicht als sogenanntes “Produkt” im Haushalt ausgewiesen. Bei der Therme ist durch die Rechnungslegung genau nachvollziehbar wie sich Kosten und Erlöse zusammensetzen. Beim Eisstadion gibt es das nicht. Kosten und Erlöse der laufenden Rechnung gehen, wie alle städtischen Immobilien, in das Produkt 01.1.32 “Verwaltung städtischer Immobilien” ein. Die Kosten der einzelnen Liegenschaften werden zwar durch den Fachbereich in einer Nebenrechnung nachrichtlich zusammengestellt, allerdings fehlen die zugeordneten Erlöse.

Zahlen, Daten, Fakten

Beim Eisstadion wird für das Jahr 2015 der Gesamtaufwand mit 491.000 Euro beziffert. Allein die Eintrittsgelder für den öffentlichen Eislauf sind an anderer Stelle mit 156.000 Euro separat ausgewiesen. Die Pacht des Vereins EC Bad Nauheim ist der vorliegenden Rechnung nicht dezidiert zu entnehmen. Der Verein spricht von 90.000 Euro pro Jahr. Pachtzahlungen anderer Vereine gibt es angabegemäß nicht. Somit ergibt sich ein städtischer Zuschussbedarf aus dem Ergebnishaushalt von 245.000 Euro pro Jahr. Das ist deutlich weniger als die von vielen angeführte “halbe Million”. Aber stimmt das so? Wir wissen es nicht, weil das Eisstadion nicht separat gebucht wird! Ist es nur ein Stochern im Nebel oder schon ein Blindflug? Ich frage mich: cui bono? Wem nutzt diese Intransparenz?

Wir setzen das Eisstadion oft mit dem EC Bad Nauheim gleich. Das stimmt so nicht. Der Proficlub nutzt nur zehn Prozent der verfügbaren Zeiten des Eisstadions. In dieser Zeit wird also die gesamte Pacht von 90.000 Euro pro Jahr eingespielt. Der öffentliche Eislauf belegt 22 Prozent der verfügbaren Zeit und trägt mit Eintrittsgeldern in Höhe von 156.000 Euro zur Rechnung bei. Die restlichen Zeiten nutzt die Nachwuchsarbeit, beispielsweise die “Roten Teufel”. Sie gehören zum EC Bad Nauheim und nehmen zeitlich 28 Prozent ein. Der Eiskunstlauf verwendet zwölf Prozent der Zeit und andere Vereine vier Prozent. Die restlichen 24 Prozent werden für Eisreinigung und Wartungsarbeiten benötigt.

EC Bad Nauheim zeigt vorbildliches Engagement

Es ist aus den Zahlen nicht abzulesen, dass der EC das Eisstadion alleine nutzt und somit auch alleine für den Fortbestand zu sorgen hat. Gleichwohl ist es so, dass der Pächter EC Bad Nauheim mit seinen Sponsoren bereits über 500.000 Euro an Renovierung, Instandhaltung und Modernisierung in die Sportstätte investiert hat. Ein vorbildliches ehrenamtliches Engagement!

Planungssicherheit ist etwas, das den Eisstadionnutzern fremd ist. Der EC zum Beispiel erhielt in der Vergangenheit oft nur Verträge für ein Jahr. Aktuell ist die Laufzeit auf zwei Jahre festgesetzt, das hat wohl mit dem Doppelhaushalt der Stadt zu tun. Eine längerfristige Planung, wie sie erforderlich wäre, um die anstehenden Investitionen, beispielsweise die Kühlanlage anzugehen, besteht nicht. Die aktuelle Situation ist verheerend. Die Sponsoren des EC haben ohne ausreichende Planungsgrundlage ihr Engagement bis auf weiteres sprichwörtlich eingefroren. Für den Doppelhaushalt 2017/18 hat die Stadtverwaltung keine Investitionen in das Eisstadion geplant. Eine Patt-Situation.

Der Nutzen des Eisstadions für Bad Nauheim

Was nutzt es, in Bad Nauheimer ein Eisstadion zu unterhalten? Ich bin der Meinung, dass es uns sehr viele Vorteile bringt. Zunächst sei die überregionale Wirkung zu nennen. Ähnlich wie Jugendstil und Sole hat es der Eissport geschafft, als fester Bestandteil Bad Nauheims wahrgenommen zu werden. Es ist eine Fankultur entstanden, die ihren Einzugsbereich weit über Bad Nauheim hinaus hat. Der zweite Punkt ist die Jugendarbeit. Für viele junge Menschen aus der Region ist es etwas ganz besonderes Eissport zu treiben. Die stabil hohen Belegungszahlen mit etwa einem Drittel der zur Verfügung stehenden Zeiten bestätigen das, denn Eissport gehört zum besonderen Lebensgefühl in und um Bad Nauheim.

Seit das Eisstadion vor 70 Jahren gebaut wurde, wird jedoch um sein Überleben gekämpft. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Hohes ehrenamtliches Engagement war stets die Voraussetzung dafür gewesen, dass das Eisstadion bis heute genutzt werden kann und es wird auch weiter ein großer Bestandteil sein müssen. Ein so hohes ehrenamtliches Engagement findet man nur selten. Das zeigt mir die hohe Identifizierung der Fans und Sponsoren mit dem Eissport in Bad Nauheim.

Wir müssen über Perspektiven reden!

Klar ist auch, dass es so nicht weitergehen kann. Es gibt zwar seit etwa zwei Jahren einen Workshop aus Vertretern des EC und der Stadtverwaltung, der eine Lösung für das Thema finden soll, jedoch sind hieraus keine greifbaren Ergebnisse zu berichten. Auch die Überführung in einen privaten Trägerverein, wie beim Rosenmuseum, ist bislang nicht zustande gekommen. Es ist klar, dass in das Eisstadion investiert werden muss, wenn der Eissport ein Teil Bad Nauheims bleiben soll. Diese Investitionen dürfen keine kurzfristigen Trostpflaster bis zur nächsten Wahl sein, sondern müssen langfristig wirken und somit Planungssicherheit für alle Beteiligten bieten.

Ich habe in meiner Zeit als Ortsvereinsvorsitzender der SPD Bad Nauheim erkannt, dass dringend ein konkretes Konzept für das Eisstadion erarbeitet werden muss, aus dem Antworten auf folgende Fragen hervorgehen müssen: Welche baulichen Investitionen sind vorzunehmen? Was braucht der Spielbetrieb im Hinblick auf die Liaglizenz DEL2? Wie kann man das Stadion im Sommer besser nutzen? Kann man den Betrieb in eine professionelle Gesellschaft auslagern? Wieviel Geld muss wer wann wofür aufbringen, um ein verbessertes Konzept realisieren zu können? Wichtig ist im Rahmen der Diskussion, Rücksicht auf den Ergebnishaushalt der Stadt zu nehmen. Im Finanzhaushalt gibt es etwas mehr Spielraum. Durch die überregionale Bedeutung des Eisstadions sind auch Kreis und Land in die Überlegungen einzubeziehen. Dies könnte auf Kreisebene beispielsweise über Schulsport geschehen.

Als Bürgermeister werde ich mich dafür einsetzen, dass Bad Nauheim auch in Zukunft ein Eisstadion hat.

Hierzu gehört in erster Linie, ein tragfähiges Konzept für den Stadionbetrieb zu erarbeiten. Die begonnenen Bemühungen sind Anfang des Jahres ins Stocken geraten. Ich bin überzeugt davon, dass ein gutes, tragfähiges Konzept finanziert werden kann. Ohne klares Konzept wird jedoch niemand Mittel zusagen. Kreis und Land müssen (wieder) mit ins Boot geholt werden. Die Initiative muss grundsätzlich von der Stadt Bad Nauheim ausgehen, nicht allein von Vereinen oder Sponsoren.

Wir brauchen ein klares “Ja” zum Eisstadion.

Das erfordert einen Konsens aller Beteiligten, den ich gerne als Vermittler und treibende Kraft herbeiführen möchte.