Bezahlbares Wohnen – Modellprojekte

Bezahlbares Wohnen ist ein wichtiges – und vielfältiges – Thema. Bei meinem Besuch im Deutschen Architekturmuseum lernte ich Projekte kennen, die ein solches Vorhaben fördernDeswegen möchte ich hier von drei gänzlich verschiedenen Projekten berichten. Denn diese zeigen uns, wie bezahlbares Wohnen andernorts umgesetzt wird.

Das Deutsche Architekturmuseum ist ein hervorragender Ort, um sich einen soliden Überblick zu verschaffen, wie weitläufig das Thema Wohnen ist. Mein Augenmerk lag dabei auf Mehrfamilienhäusern, die gleichermaßen ansprechend und erschwinglich sind.

Um bezahlbaren Wohnraum herzustellen oder zu erhalten, wird oft im Bestand gearbeitet. Es geht um Renovierung von Gebäuden, die meist aus den 60er- und 70er-Jahren stammen. Stellvertretend dafür steht ein Mehrfamilienhaus in Pforzheim. Ein ehemaliges Gebäude mit 17 Wohnungen für Bahnbedienstete wurde, während es noch von Mietern bewohnt war, mit einer modernen Fassade versehen. Diese verbesserte Sonnen- und Schallschutz, auch die Energieeffizienz konnte deutlich gesteigert werden. Das führt zu niedrigeren Nebenkosten. Außerdem wurde das Gebäude um ein Stockwerk erhöht. Die Sanierungskosten pro qm Bruttogeschossfläche beliefen sich auf 710 Euro.

Günstig nach Sanierung: Wohnungen kosten 7,50 Euro pro qm (kalt)

Die Wohnungen konnten nach einjähriger Bauzeit und neuwertiger Sanierung für 7,50 Euro kalt pro qm angeboten werden. Statt Abriss mit nachfolgendem teuren Neubau, konnte hier bezahlbarer Wohnraum erhalten und zusätzlicher geschaffen werden. Das Projekt ist übrigens preisgekrönt.

 

Auch Neubauten können am Ende kostengünstig sein

Ein Beispiel: Frankfurt Oberrad. Die Wohnungen sind modern und zugleich kostengünstig. Hier entsteht gerade ein Projekt, das 46 Wohnungen auf drei Vollgeschossen mit zwei, drei und vier Zimmern bietet. Die Besonderheiten hieran sind die außenliegenden Treppenhäuser und die Technikleitungen mit kurzen Wegen, kombiniert mit effizienter Haustechnik. Barrierefreiheit besteht im Erdgeschoss. Die Baukosten liegen bei 1.090 Euro pro qm Bruttogeschossfläche. Das führt zu einer Kaltmiete von 10 Euro pro qm, was für Frankfurt sehr günstig ist. Der Mietpreis für Neubau Erstbezug liegt in dieser Gegend bei 14 Euro pro qm kalt. Das Grundstück wurde zum ortsüblichen Preis erworben. Und:

Das Modellprojekt für bezahlbares Wohnen wurde nicht staatlich gefördert, um zu zeigen, dass auch so bezahlbarer Wohnraum entstehen kann.

 

Zum Schluss noch ein Schmankerl aus Paris. Direkt an der Seine steht das “PAQ Wohngebäude”. In außergewöhnlicher Architektur entstanden hier 144 Wohnungen. 74 dieser Wohnungen sind Luxuswohnungen und 70 Einheiten werden als Sozialwohnungen vermietet.

Luxus- und Sozialwohnungen in einem Haus – das geht!
Paris will hier der rasch voranschreitenden Gentrifizierung von Stadtgebieten entgegenwirken. Die Stadtpolitik hat erkannt, dass Sicherheit und sozialer Frieden nur mit einer gut durchmischten Gesellschaft, über alle sozialen Milieus hinweg, erreicht werden kann.

Nun ist es an der Bad Nauheimer Politik, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Passende Bebauungspläne müssen erstellt, Stellplatzsatzungen angepasst und Projekte angegangen werden. Dafür stehe ich.

In der jüngsten Vergangenheit war die diesbezügliche Bereitschaft eher verhalten. Ich führe das zum großen Teil auf Unkenntnis der modernen Möglichkeiten zurück.
Die Zeit ist reif, jetzt zu handeln! Das werde ich tun.

Die verschiedenen Aspekte des bezahlbaren Wohnens habe ich bereits in zwei Artikeln angesprochen. Zunächst bin ich auf die Notwendigkeit eingegangen, das auch in Bad Nauheim zu forcieren. Dann habe ich Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten vorgestellt.