Bad Nauheim – Lebenswert in jedem Alter!

Bad Nauheim ist eine lebenswerte Stadt mit guter Infrastruktur und kulturellem Angebot. Gerade die Kernstadt erfreut sich großer Beliebtheit als Ruhesitz im Alter. Viele wichtige Einrichtungen und Geschäfte sind fußläufig oder mit dem Stadtbus erreichbar und es gibt eine große Anzahl verschiedener Ärzte. Jedoch sind in manchen Bereichen durchaus Verbesserungen erforderlich. Um hierüber mehr zu erfahren, habe ich mich mit Hans-Ulrich Halwe, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirates, getroffen.

 

Herr Halwe ist langjährig ehrenamtlich in unserer Kurstadt tätig und hat einen sehr guten Überblick über die Lebensqualität der Senioren in Bad Nauheim. Der Seniorenbeirat leistet sehr wichtige Arbeit, indem er immer ein Ohr für die Bedürfnisse der älteren Menschen in Bad Nauheim hat und Vorschläge zur Verbesserung der Lebensqualität einbringt.

Viele Verbesserungen helfen nicht nur Senioren allein, sondern allen.

Meist sind es jedoch die Senioren, denen der Verbesserungsbedarf auffällt. Diese wichtige Arbeit gilt es, weiter zu fördern.

Nicht genügend Barrierefreiheit in der Kernstadt

So ist zum Beispiel die Barrierefreiheit nicht zufriedenstellend. Hier muss in Zukunft besser Hand in Hand mit der Stadtplanung gearbeitet werden, um wirkliche Barrierefreiheit zu erreichen. Es ist nicht einfach, wenn man in Bad Nauheim auf den Rollstuhl oder den Rollator angewiesen ist. Die Barrierefreiheit der Plätze und Gehwege sollte deutlich besser sein. Auch schlecht sehende oder schlecht hörende Menschen wünschen sich bessere Barrierefreiheit. Oft wird mit wenig Aufwand viel Wirkung erzielt. Das Gegenteil gilt ebenso. Teure Maßnahmen sind nicht immer wirkungsvolle Maßnahmen. Hier muss mehr auf die Expertise der Betroffenen zurückgegriffen werden.

Barrierefreiheit macht das Leben aller Menschen sicherer und leichter.

Auch die Bürgerinnen und Bürger ohne Einschränkungen profitieren davon. Bei Bauprojekten muss darauf geachtet werden.

Finanzielle Gründe dürfen nicht sozial ausschließen

Es gibt eine Menge älterer Menschen, die – neben der mangelnden Mobilität – aus finanziellen Gründen von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sind. Dies betrifft vor allem ältere Damen, die eine deutlich schlechtere Altersabsicherung haben als Herren oder Ehepaare. Hinzu kommt die Hemmung, staatliche Unterstützungen zu beantragen. Wir müssen uns überlegen, wie wir dem begegnen.

Nach einem langen Erwerbs- und Familienleben in Würde alt werden zu können, bedeutet auch und vor allem soziale Teilhabe.

Man darf nicht aus finanziellen Gründen von kulturellen Angeboten ausgeschlossen werden. Ein eleganter Lösungsweg wäre, die Jahreskurkarte auf Antrag kostenlos abzugeben. Hier könnte bei Bezahlung des Eintritts nicht auf den wirtschaftlichen Hintergrund der Person geschlossen werden – anders als bei einer sozialen Komponente innerhalb der Tarife.

Ein wichtiger Pfeiler unseres Zusammenlebens sind die Vereine in Bad Nauheim.

Ein weiteres Hindernis für die Freizeitgestaltung ist, dass gerade in der Kernstadt ein Mangel an Vereinsheimen festzustellen ist. Die Räume, die es gibt, sind oft ausgebucht oder zu teuer. Die Situation ist nach Umnutzung des Sportheims noch deutlicher zutage gekommen.

Wir müssen als Stadt dafür sorgen, dass sich Vereine und Interessengruppen treffen können.

Das stärkt das Zusammenleben der Generationen und hilft, Nachwuchsprobleme bei verschiedenen Vereinen zu lösen.

Die medizinische Versorgung außerhalb der Sprechzeiten

Sie muss besser kommuniziert werden. Es muss nicht immer der Rettungsdienst alarmiert werden. Oft reicht auch der ärztliche Bereitschaftsdienst aus. Halwe berichtet aus der Leitstelle Wetterau, dass ein zunehmender Anteil der Alarme keinen Rettungswagen erfordere, sondern der ärztliche Bereitschaftsdienst ausgereicht hätte.

Die Nummer des Rettungswagens 112 ist jedem bekannt. Aber wie sieht es mit der 116 117 aus? Wer kennt die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes?

Der Grund hierfür ist, dass die Nummer 116 117 weitgehend unbekannt ist. Hier erfährt man die Adresse des nächsten ärztlichen Bereitschaftsdienstes, und wie man dorthin gelangen kann.

Eine seit Jahren erhoffte Einrichtung, die in Bad Nauheim fehlt, ist ein Hospiz. Zum Leben in Würde gehört auch das Sterben in Würde.

In unserer Gesundheitsstadt dürfen wir nicht nur an Genesung denken, sondern müssen auch unheilbar kranke Menschen auf Ihrem letzten Weg begleiten.

Hierzu braucht es eine gute palliativ medizinische Versorgung und seelsorgerische Begleitung der Patienten, sowie der Angehörigen. Wie wichtig das Thema ist, zeigt auch, dass sich der Ausländerbeirat dieses Themas aus interkultureller Sicht ebenfalls annimmt. Jüngste Entwicklungen versprechen eine Lösung, jedoch dürfen wir uns nicht zurücklehnen, so lange bei uns noch kein Hospiz eröffnet wurde.

Bad Nauheim bietet viel, nicht nur für den Ruhestand.

Das zeigen nicht zuletzt die vielen Neubürger, die wir hier begrüßen dürfen. Gute Infrastruktur, kulturelles Angebot und ein dichtes Ärztenetz sind nur einige wenige Schlagworte. Wir müssen jedoch weiter daran arbeiten, dass Bad Nauheim eine Stadt für alle wird. Das bedeutet: Barrieren abbauen.